ERLEBNISSE

Der Flow zwischen Teichen und Trails

Der Morgen könnte kaum besser sein. Die Luft ist frisch, die Sonne blinzelt durch die Wolken, der Waldboden ist griffig – genau das Wetter, von dem Mountainbiker träumen.

Helge und sein zehnjähriger Sohn Josua, den alle Josi nennen, stehen am OutdoorCenter Harz in Clausthal-Zellerfeld. 

Die Bikes sind startklar, die Vorfreude groß. Mountainbiken ist ihr gemeinsames Hobby, auch wenn jeder etwas anderes sucht: 
Helge liebt lange Touren und Ausdauer, Josi den Flow, enge Kurven und knifflige Fahrtechnik.

Ihr Guide Christian kennt den Oberharz wie kaum ein anderer. Er ist hier geboren und seit Jahrzehnten im Gelände unterwegs. 

Heute führt er seine beiden Gäste auf eine gut 20 Kilometer lange Runde durch Wälder und Wiesen entlang der vielen Teiche, die zur berühmten Oberharzer Wasserwirtschaft gehören.

Die ersten Kilometer in Richtung Buntenbock rollen sie fast wie von selbst. Schmale Trails ziehen sich über die Bergwiesen, folgen historischen Wassergräben und führen im Zickzack über einige Teichdämme.

Hinter jeder Kurve öffnet sich ein neuer Blick aufs Wasser. Besonders auf dem Damm des Hirschler Teichs wird ihnen deutlich, welche gewaltigen Wassermassen der Oberharz seit Jahrhunderten speichert. 

Am Ziegenberger Teich ist Zeit für eine Pause. Während die Räder im Gras liegen, erzählt Christian, warum es hier überhaupt so viele Teiche gibt. Sie waren einst die Kraftwerke für die Gruben. Ihr Wasser setzte riesige Wasserräder in Bewegung, sie trieben Pumpen und Förderanlagen tief unter der Erde an.
Ohne dieses ausgeklügelte System aus Teichen und Gräben hätte der Erzbergbau im Oberharz nie so umfangreich werden können, von der finanziellen Bedeutung für die damaligen Landesherrn ganz zu schweigen.
Heute gehört die Oberharzer Wasserwirtschaft zum UNESCO-Welterbe – und macht die Landschaft zu einer außergewöhnlichen Bike-Region in Deutschland.

Dann heißt es wieder: rauf aufs Rad. Durch dichte Fichtenwälder und offene Bergwiesen führt die Strecke zurück nach Clausthal-Zellerfeld. Dort fahren sie überwiegend auf ruhigen Wegen und über kleinen Straßen mit wenig Verkehr bis hinunter zum Alten Bahnhof. Kaum entdeckt Josi dort den Pumptrack, gibt es kein Halten mehr.

Kurve für Kurve, Welle für Welle fliegt er über den Rundkurs. Christian nickt anerkennend. „Da steckt viel Übung drin.“ Tatsächlich trainiert Josi fast jedes Wochenende bei den Trailriderz Einbeck auf Flowtrails, Jumpline und Freeride.

Nach so viel Bewegung knurrt allen der Magen. Beim Döner dreht sich das Gespräch natürlich weiter ums Mountainbiken. Der Oberharz gehört für Vater und Sohn längst zu ihren Lieblingsrevieren.

Besonders mögen sie die Mischung aus entspannten Touren, abwechslungsreichen Trails und spannender Geschichte. Aber auch der familienfreundliche Bikepark St. Andreasberg und die Laubwälder bei Hasselfelde haben es ihnen angetan.

Ein weiterer Teichdamm, dann eine kurze, aber knackige Steigung. Durch Bergwiesen führt sie ihr Weg zum Robinson-Spielplatz. 

Der ehemalige Steinbruch mit Wasserstation, Seilbahn und Bergbauspielgeräten ist ein beliebtes Ziel für Familien – und eine gute Idee für alle, die eine Mountainbike-Tour mit einem Ausflug verbinden wollen. 

Auf dem letzten Stück zeigt der Oberharz noch einmal seine ganze Vielfalt. Schotterwege wechseln mit schmalen Trails, Teiche spiegeln den Himmel, Wassergräben begleiten ihren Weg. Als die Helme am OutdoorCenter abgesetzt werden, ist klar: Diese Tour war mehr als nur eine Trainingsrunde. 

Sie war ein Erlebnis, eine Verbindung zwischen Natur, Geschichte und Fahrspaß. Oder, wie Josi es mit einem Grinsen zusammenfasst: „Die Trails sind super – und der Pumptrack sowieso.“ Für Helge steht fest: „Wir kommen wieder. Im Oberharz wartet hinter jeder Kurve die nächste spannende Tour.“

Für wen ist die Tour geeignet?
Sportliche Kinder und Jugendliche ab etwa 12 Jahren können die Runde um Clausthal-Zellerfeld auch ohne vorheriges MTBTraining fahren. Wichtig beim Mountainbiking ist vor allem Interesse an Bewegung, Lust auf die Rad-Beherrschung und Freude an verschiedenen Untergründen – dann sind Mountainbike-Touren für die ganze Familie ein Vergnügen.

Tipp
Zwei Nachbauten der gewaltigen Oberharzer Wasserräder stehen am Kaiser-Wilhelm-Schacht in Clausthal, heute Betriebshof der Harzwasserwerke. Dazu gibt eine historische Schautafel einen guten Überblick über Schächte, Stollen und die unterirdische Arbeitswelt – zu besichtigen gratis und jederzeit.

UNESCO-Welterbe Oberharzer Wasserwirtschaft
107 Teiche, schmale Gräben und unterirdische Wasserläufe mit insgesamt 340 Kilometern Länge – damit gilt die Oberharzer Wasserwirtschaft weltweit als das bedeutendste vorindustrielle Energieversorgungssystem.